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Sprachliche Strukturen

Sprache ist ein komplexer Vorgang, in den unzählige Gehirnareale und Gehirnfunktionen eingebunden sind. Sprechen und Sprachverstehen arbeiten in weiten Teilen des Hör- und Sprechprozesses gleichzeitig, miteinander und füreinander. Sprechen ohne Hören bzw. Hörverstehen kann nicht funktionieren.

Glossar

Auditiver Cortex → Der auditive Cortex ist für die Ver­arbeitung und Wahrnehmung von Schall ver­antwort­lich. Die primä­re Hör­rin­de dient dem Wahrnehmen von Schall, al­so ein­zelner Töne. Die sekundä­re Hör­rin­de dient der In­terpretati­on von Tönen und Lau­ten, wo­durch bei­spiels­weise Wör­ter und Musik wahr­genom­men werden.

Hörrinde → siehe auditiver Cortex

Tonotope Gliederung → Feste Ver­teilung von Bereichen in­ner­halb der Hörschnecke, an de­nen bestimmte Frequenzen (Ton­höhen) wahr­genom­men werden. Tiefe Töne werden an einer anderen Stelle wahrgenommen als hohe.

Rindenfelder→ Bereiche der Großhirn­rin­de mit je­weils spezifischer physiologischer Funkti­on (motorische Rindenfelder, sensible Rindenfelder, optische-, akustische-, gustatorische Rindenfelder)

Motorcortex → Für die Motorik zu­stän­dige Rin­den­felder der Großhirn­rin­de. Der Motorkortex plant, startet und speichert willkür­liche Bewegungen und Bewegungs­abläu­fe.

Artikulationsorgane → Die Organe des Mund-Nasen-Ra­chen-Rau­mes (sog. An­satz­rohr), die un­ter Beteili­gung der Zunge und an­derer Ar­tikula­toren wie Lippen, Zäh­ne, Gaumen, Gaumen­segel, Gaumenzäpf­chen, Ra­chenhöhle und Nasen­raum so­wie Kehlkopf und At­mungs­or­ganen die differenzierte Lautproduktion ermöglichen

Sprachproduktion →Kognitive Prozesse, die bei der Planung und Artikulation von Sprache beteiligt sind.

Hörzentrum → Akus­tisches Wahrnehmungs­feld, das sich in ein primäres und sekundäres Hör­zentrum glie­dert.


Inhalt

Sprachverstehen

Damit auditive Informationen aus der Umwelt aufgenommen werden können, besitzt der Mensch das Gehör. Die Schallwellen, die auf das Ohr treffen, werden dort in elektrische Impulse umgewandelt. Über die Nervenbahnen werden sie anschließend zu verschiedenen Arealen in der Großhirnrinde weitergeleitet, die zusammen das Hörzentrum bilden.

Traditionell wurde im Gehirn das Wernicke-Zentrum als Zentrum des Sprachverstehens betrachtet. Es liegt hinter der Schläfe, jeweils auf der dominanten Seite – bei Rechtshänder zum Beispiel links.
Neue präzise bildgebende Verfahren ermöglichen in den Neurowissenschaften laufend genauere Einblicke in die hochkomplexe Struktur unseres Gehirns. So wurde festgestellt, dass sich jedoch mehrere Areale zum Hörzentrum zusammenschließen: neben dem Wernicke-Zentrum auch der auditive Cortex.

Koronaler Schnitt durch ein menschliches Gehirn. BA41 (rot) und BA42 (grün) sind der auditorische Kortex.

Talbot K, Louneva N, Cohen JW, Kazi H, Blake DJ, et al. (2011) Synaptic Dysbindin-1 Reductions in Schizophrenia Occur in an Isoform-Specific Manner Indicating Their Subsynaptic Location. PLoS ONE 6(3): e16886. doi:10.1371/journal.pone.0016886, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20686954

Der auditive Cortex (auch Hörrinde oder Hörzentrum genannt) wird in den primären und den sekundären Cortex unterteilt. Er befindet sich in der linken und rechten Gehirnhälfte auf der Großhirnrinde und ist jeweils kaum größer als ein Quadratzentimeter. Man geht davon aus, dass auditive Informationen in der linken Hälfte verarbeitet werden. Das Gebiet auf der rechten Seite ist eher für die Verarbeitung von Musik und jenes auf der linken für die Sprache zuständig. Der linke auditive Cortex scheint auch für unsere Fähigkeit zuständig zu sein, relevante und irrrelevante Informationen zu filtern. Beide Bereiche stehen in ständigem Austausch.

Das bewusste Erkennen der Informationen geschieht im primären auditiven Cortex. Für die Interpretation und Erkennung der Höreindrücke ist der sekundäre auditive Cortex zuständig. Hier befindet sich auch das Wernicke-Zentrum als das sensorische Sprachzentrum, das für das Verständnis gesprochener und geschriebener Sprache zuständig ist.

Im Hirnstamm befinden sich die sogenannten “unteren Hügelchen”. Sie sind ebenfalls Teil zentrale Teile der auditiven Informationsverarbeitung. Von ihnen verzweigen die Nervenbahnen, die den Bereichen des auditiven Cortex führen. Hier liegt auch das auditive Reflexzentrum, das motorische und visuelle Reflexe auf akustische Impulse veranlasst – zum Beispiel, dass man bei unerwartet lautem Geräusch zusammenzuckt.

Sprachproduktion

Die Fähigkeit, Worte und Sätze zu bilden, auszusprechen und zu schreiben, wird Sprachproduktion genannt. Sie beginnt mit einer Konzeptualisierung (Planung), in der es eigentlich nur um den Inhalt geht.

Anschließend folgt die Ausführung, die Formulierung. Dazu wird die Grammatik benötigt, sowie metrisch und phonologisch gegliederte Wortformen. Diese werden in motorische Arbeitsanweisungen kodiert und an die Artikulationsorgane (Kehlkopf, Zunge, Lippen, Unterkiefer und die beteiligten Muskeln) geleitet. Diese Vorgänge passieren zum Teil gleichzeitig, zum Teil nacheinander, zum Teil aber auch überlappend. Sprechen stellt also eine der höchsten kognitiven Funktionen dar.

Im Frontallappen, der unter dem Stirnbein liegt, befindet sich der motorische Cortex. Hier liegt auch das motorische Sprachzentrum (Broca-Areal). Areale des Motorcortex steuern auch die Muskulatur des Gesichts, der Zunge oder der Lippen.

Bei der Sprachproduktion ist auch der auditive Cortex involviert. Er ist in der Phase der Konzeptualisierung unter anderem für die Artikulation, Grammatik oder den Wortschatz mit zuständig.

Die Systeme des Sprachverstehens und der Sprachproduktion sind eng miteinander verknüpft und aktivieren sich gegenseitig. Dies macht eine innere Kontrolle der Klangform und der Bewegungsausführung der Sprache möglich.

Was bedeutet dies für meine Unterrichtspraxis?

Eine Entwicklung der Sprachproduktion setzt voraus, dass auch eine dementsprechend gut entwickelte auditive Kompetenz vorhanden ist. Insofern sollte bei einer Förderung oder Defiziten immer auf beide Bereiche geachtet werden.

Reflexionsfrage

Wie weit kann die sprachliche Kompetenz meiner Klasse verbessert werden, wenn bewusst an der auditiven Perzeption gearbeitet wird?

Quiz

1) Das Broca Areal liegt

A) im Frontallappen
B) im Temporallappen
C) im Partietallappen

2) Welcher Teil des Gehirns besitzt am meisten Neuronen?

A) motorische Sprachzentrum
B) sensorische Sprachzentrum

Lösungen

1️⃣ → A) im Frontallappen
2️⃣ → B) sensorische Sprachzentrum

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