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Textarbeit

Ein Shakespeare- oder Nestroy-Theaterstück mag auf den ersten Blick abschrecken und man könnte meinen, dass Schüler diese Texte gar nicht mehr verstehen können und davon überfordert ist. Diese ausführliche Schritt für Schritt-Anleitung für Textarbeit soll genau beschreiben, wie man auch auf scheinbar unverständliche und veraltete Texte herangehen und sie mit Kindern erarbeiten kann. Ohne den Text zu vereinfachen oder zu verändern, lässt sich Folgendes feststellen: Eine eingehende Auseinandersetzung mit den Texten trägt zur Klarheit bei! Der Fokus liegt insbesondere darauf, das Wesen des Inhalts zu verstehen.

Hier erklären wir Ihnen:

  • wie man den Text mit eigenen Worten erzählt

  • wie man einen Text lernt

  • wie man natürlich und überzeugend spielt

Die Textarbeit wird zum Großteil selbständig VOR den Proben erarbeitet.

Bei der Textarbeit ist es wichtig, Wege zu finden, die Schüler dazu zu bringen, sich aktiv mit ihren Rollen auseinanderzusetzen und die Figur, die sie spielen, zu verstehen. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Lesen Sie die Szene/den Text ein- oder zweimal mit verteilten Rollen. NACH dem Lesen des Textes können die Kinder Sie nach Wörtern fragen, die sie nicht verstehen. Dann lesen Sie den Text noch einmal. Natürlich verstehen die Kinder nicht alles, deshalb ist die Arbeit am Text wirklich unumgänglich.

  2. Besprechen Sie mit den Schülern die Charaktere und ihre Motivationen

  3. Stellen Sie gemeinsam die 5W-Fragen (siehe unten)

  4. Erklären Sie, wie die Kinder zuhause Textarbeit machen sollen

Lassen Sie die Schüler alle Wörter unterstreichen, die Sie nicht kennen und lassen Sie sie in einem ersten Schritt raten, was die Bedeutung davon sein könnte.

Für den Schauspieler ist es wichtig, Klarheit über den Charakter einer Rolle zu haben, um die Rolle glaubwürdig darstellen zu können. Zu diesem Zweck sollten einige wesentliche Fragen zu jedem Charakter beantwortet werden. Einerseits handelt es sich um Fragen, die den Charakter einer Rolle betreffen, und andererseits auch um Beziehungen zwischen den Akteuren im Stück.

Der Charakter einer Rolle ergibt sich nicht zuletzt aus den Beziehungen zu den anderen Rollen. Bei den meisten Fragen gibt es keine richtige oder falsche Antwort. Viele Fragen lassen sich auch nicht objektiv aus dem Text heraus beantworten. Es können auch während der Proben verschiedene Antwortmöglichkeiten durchprobiert werden.

Beispiel
Ist Titus dick oder dünn?

Die Antwort kann von den Kindern selbst gefunden werden. Auch so können die Kinder aktiv zur Entstehung des Stückes beitragen.

Die Fragen - 5Ws

Um die aktuelle Situation, den Handlungsfortgang und Konflikt zu durchleuchten, hilft es auch, die Fragen mit den 5 W's zu stellen: WER, WAS, WANN, WARUM, WO.

Beispiel
Flora, 1. Akt ; 16 Szene: Wer ist Flora? Was ist ihr Ziel in dieser Szene? Wann spielt die Szene? Warum ist Flora mit ihrer Situation unzufrieden? Wo spielt die Szene?

Nur auswendig lernen ist langweilig. Beginnen Sie mit Improvisationen. Zum Beispiel: Titus erzählt von seinem Leben. Wir wissen, dass er hungrig ist und nicht weiß, was er tun soll. Wie ist er in diese Situation gekommen? (Das kann je nach Nestroys Planung ganz unterschiedlich sein und aus der persönlichen Erfahrung oder Phantasie des Schauspielers stammen). Oder warum will Peter Squenz ein Stück inszenieren? Was sind die Probleme?

Sobald die Schülerinnen und Schüler mit der Arbeit an einem Text beginnen, besteht die Herausforderung darin, glaubwürdig zu klingen und zu handeln. Lassen Sie niemals einen Satz passieren, der "nur gesagt" ist. Lassen Sie den Schauspieler zurückgehen und ihn mit seinen eigenen Worten wiedergeben. Dann kehren Sie zum Text zurück. Dies kann wiederholt werden.

Die 5 Ws: Stellen Sie sich gemeinsam die 5 W-Fragen (WER, WAS, WANN, WARUM, WO) zu den ausgewählten Szenen!

Anleitung zur selbständigen Textarbeit

Textarbeit geschieht Zuhause. JEDES Kind soll das für sich machen, egal welche Rolle es zugeteilt bekommt.

Bevor die Kinder zuhause die Textarbeit machen, müssen Sie ihnen erklären, wie das aussehen muss. Als Beispiel können Sie eine Szene in der Klasse zusammen erarbeiten.

Ein Skript darf (im Gegensatz zu einem Schulheft) mit Bleistift bekritzelt, beschriftet und beschmiert werden. Hier darf das Kind alles eintragen, was für die Rolle und die Regie wichtig ist. Bei den Proben sollen die Kinder immer einen Bleistift mithaben.

Ein paar Regeln für die Textarbeit

  • Unter jedem Themenwechsel macht man einen Unterstrich im Text: In vielen Szenen gibt es einen Themenwechsel. Zum Beispiel: Zuerst wird über das Wetter geredet und dann über ein gutes Essen. Das ist ein Themenwechsel.

  • wichtige Wörter unterstreichen. Besprechen Sie mit den Kindern , was wichtig sein könnte!

  • „ich, du, wir..“ werden nie (oder ganz selten) betont, da man das sowieso heraushört.

  • Bei einem Themenwechsel ändert sich die Lautstärke und der Rhythmus. Bei Szenen ist Themenwechsel wichtig, weil bei Themenwechsel jeder anders reagiert.

  • Den Kern der Aussage eines Satzes in Stichwörtern aufschreiben.

Zum Beispiel “Romeo darf Julia nicht heiraten”, “Salome lernt Titus kennen und mag ihn sofort.”

  • Der Text soll von Kindern in eigenen Worten erklärt werden. Es ist ganz wesentlich, dass die Kinder den Text mit eigenen Worten sprechen können, da sie dadurch den Kern jeder Szene besser verstehen lernen. Jedes Kind soll den Text (zum Beispiel den Eltern oder einem Freund) frei erzählen können.

  • Stimmwechsel bei Interpunktion: Bei einem Beistrich muss die Stimme hinaufgehen, weil es nicht das Ende eines Satzes ist. Bei einem Punkt muss man die Stimme immer senken. Bei einer Frage geht die Stimme hinauf! (Zum Beispiel: Wirklich?)

  • Die Betonung

    Bei der Bearbeitung des Textes sollte über Betonung nachgedacht werden. Für die Betonung gibt es keine Regel. Zum Beispiel kann man in einem Satz jedes Wort betonen oder auch keines, aber auch da sollte eine bewusste Wahl getroffen werden. Jede Betonung oder Nicht- Betonung verändert den Sprachrhythmus und auch den Sinn. Zum Beispiel könnte als Übung jeweils nur das unterstrichene Wort betont werden:

Beispiele

Wie kann ein seliger Mann so eine unglückselige Idee haben? (ohne Betonung)
Wie kann ein seliger Mann so eine unglückselige Idee haben?
Wie kann ein seliger Mann so eine unglückselige Idee haben?
Wie kann ein seliger Mann so eine unglückselige Idee haben?
Wie kann ein seliger Mann so eine unglückselige Idee haben?
Wie kann ein seliger Mann so eine unglückselige Idee haben?

Was willst du schon wieder?
Was willst du schon wieder?
Was willst du schon wieder?

Der Vater empfahl / dem Lehrer nicht zu widersprechen
Der Vater empfahl dem Lehrer / nicht zu widersprechen.

Herr Müller sagte / der Nachbar ist ein Esel
Herr Müller/ sagte der Nachbar / ist ein Esel

Videos zum “Texte lernen” sowie Sprache und Atmung auf YouTube

https://youtu.be/RmPLhzp4riA

In diesem Video kommen folgeden Übungen aus dem Projekt vor:

Textarbeit

https://youtu.be/qo8yErrXZ6k

In diesem Video kommen folgeden Übungen aus dem Projekt vor:

Muskeltraining für Lippen und Zunge [1]

B(a)uch [1]

ach -ich - Ausspracheübung [2]

Wortrhythmus erkennen [2]

Der Ton macht die Musik [3]

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